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Tramandaí
Donnerstag, 03. Dez 2009

Tramandaí, 29. November 2009

Heute bin ich nach einer ziemlichen Odysse hier wieder in Tramandaí gelandet. Nachhedm ich nördlich an einigen Campings vorbeigekommen war ist wohl etwas die Zuversicht mit mir durchgegangen und ich bin noch ca 50 km weiter in den Süden gefahren.

Dann wurds eher schwierig, die Gegend in zunehmendem Maße heruntergekommen, kein Camping weit und breit und eher das „andere“ Brasilien. Also ärmere Gegenden und insgesamt eine Umgebung in der man sich nicht so 100 prozentig wohlfühlt. Zu dem hat wohl ein Sturm gewütet, überall abgedeckte Dächer und Gerümpel. Da ich alleine bin mache ich keine Experimente. Also umdrehen und zurück Richtung Tramadaí. Dort hatte ich im vorbeifahren einen Camping gesehen. Der entpuppte sich aber als geschlossen.

Dumm gelaufen, ich kam also doch noch etwas ins schwitzen. Einzige Option war ein „camping“ am Strand, ordentlich heruntergekommen und natürlich ohne Gäste. Dafür mit Unmengen Halbstarken die mit aufgedrehten Boxen im Auto vorbeicruisen, Mädels aus dem Fenster hängend.

Zufällig habe ich dann noch einen Platz gefunden, auch recht heruntergekommen aber erträglich. Man nahm mich allerdings nicht auf weil hinten auf dem Gelände der Zaun kaputt war und grade erneuert wird. So könnte man mir keine Sicherheit bieten.

Also bin ich etwas ziellos rumgefahren und wieder zufällig auf einen schönen Garten gestoßen an dem Camping angeschrieben war. Allerdings niemand zu entdecken ausser einem absolut furchteinflößenden Hund.

Mit etwas Geduld und rufen kam dann aus dem Hintergrund die Besitzerin Rosa Maria. Nach dem ich die erste Skepsis ausräumen konnte – immerhin sehe ich jetzt wirklich aus wie ein Landstreicher – hat sie mich eingelassen.
Glück gehabt mal wieder, ich stehe schattig unter blühenden Büschen – eine kleine Oase.

Irgendwie ist hier alles rundum ganz schön vor die Hunde gegangen hab ich den Eindruck, ordentlich der Lack ab. Haufenweise sich betrinkende Menschen mit dicken Bäuchen und Tatoos.
Rosa fragt mich auch gleich was zum Teufel ich denn ausgerechnet hier mache. Abenteuer? Sowas in der Art wohl, antworte ich ihr.

Morgen oder Übermorgen kommen die Kuks hier an, wenn alles glatt geht. Dann gehen wir die letzten Etappen in Brasilien über Rio Grande nach Uruguay an.
Über eine Art Halbinsel Richtung Rio Grande do Sul. Über die Strecke habe ich interessantes gelesen. „Rue do Inferno“ oder so ähnlich bezeichnet, das erste Stück asphaltiert, dann Sandpiste mit tückischen Wellen und Tiefsandfeldern.

Was ich jetzt unterschlagen habe: Wie bin ich eigentlich hier gelandet? Naja, eigentlich war ich ja erst mal in Florianopolis. Die Stadt die nach mir benannt wurde. Sehr artig.
Leider hats dort am Stück geschifft, ich hab beschlossen mich damit nicht lange rumzuschlagen, war nett dass ich mal da war, Städte interessieren mich eh nicht so, das Wetter sollte im Süden besser sein – also nichts wie weiter.

In einem Balnerario, dessen Name mir leider entfallen ist hab ich irgendwie ein Complexio Touristico gefunden mit Campingmöglichkeit. Kurz vorher habe ich vor lauter nach rechts und links nach Unterkunft schauen eine doppelte Bodenwelle übersehen. Das bedeutete zweimal kurze Schwerelosigkeit für Auto und Inhalt und ungläubig schauende Mamas am Strassenrand. Zum Glück keine Schäden.

Bis auf die üblichen Verdächtigen. Das Getriebe lässt stark nach und verliert an allen Ecken Öl. Ich liege unter dem Bus und hantiere mit Dichtmasse. Und entwickle nach mehreren grandiosen Fehlgriffen bei denen abgeschnittene Gummihandschuhfinger und eine Wasserflasche eine unrühmliche Rolle gespielt haben, eine Methode Öl nachzufüllen, bei der man sich nicht die Hand bricht: Mittels Ersatzdieselleitung und Trichter aus dem hinteren Radkasten reinlaufen lassen.

Damit bin ich ganz zufrieden sehe aber nach den Aktionen vorher schlimm aus. Öl und Schmiere bis in die Haare, im Eifer des Gefechts bin ich, nachdem ich Zubehör aus der Ersatzteilkiste auf dem Dach gefischt hatte vom Bus gehüpft, und mit dem Schienbein direkt auf einem Pfosten gelandet. Merke: Nie rückwärts von Autos hüpfen. Blute wie ein Schwein und kann die Erfrischung im Pool damit vergessen.
Camping war naja – OK. Auch schon bessere Tage gesehen, immerhin echtes warmes Wasser zum duschen. Dafür feiernde Nachbarn. Zum Glück ein grosses Areal, also raus aus dem Bett, hinters Steuer und ne ruhige Ecke suchen.

Heute morgen bin ich dann recht früh los, hab einen Strandzugang gefunden, jede Menge Autos und Menschen auf dem Strand, also kein Problem. Frühstück im Bus, 5 Meter vor der heranrauschenden Brandung des Atlantik. Nicht ganz schlecht!

Ein freundlicher Mensch kam vorbei und sprach mich an, sprach und verstand sogar spanisch. Viel habe er von Deutschland schon im Fernsehen gesehen. Zeigte sich sehr beeindruckt von Auto und Reise und wünschte alles Gute bevor er zügig weiterging. Er laufe jetzt jeden Morgen am Strand entlang. Schliesslich sei er jetzt 60, da müsse man etwas auf sich achten.

Verständigung ist so ne Sache momentan, viele verstehen zum Glück etwas spanisch und ich verstehe dann doch einiges an portugiesisch. Also stehen wir uns konzentriert gegenüber und jeder versucht zu verstehen was der andere jetzt grade gesagt haben könnte. Meistens eher ulkig, manchmal etwas anstrengend.

Sicherheit ist hier ein schwieriges Thema habe ich den Eindruck. Es gibt jede Menge Sicherheitsfirmen, die Schutz von Haus und Hof anbieten.
Viel steht leer und es gibt aberwitzige Mengen an Immobilienfritzen, die gerne kaufen aber vor allem verkaufen möchten.

Zwischendrin gibt’s immer wieder nette Episoden wie den Tankwart, der absolut aus dem Häuschen ist und sich meiner Internetseite notieren möchte, damit er Bilder anschauen kann von da wo ich ja schon überall war. Leute die hupend und winkend überholen und Bilder mit ihren Handys machen.
Die Leute mit denen ich Kontakt habe sind durchgehend sehr nett und hilfsbereit. Viel mehr Leute interessieren sich wirklich und suchen das Gespräch, anders als in den bisher bereisten Ländern.

Jetzt gibt’s doch noch ne kleine Planänderung zum Schluss: Ich werd doch an Porto Alegre vorbeigurken müssen, Karolin und Kay können wegen der Probleme mit ihrer Federung nur noch Asphalt fahren.

Auch ok, haupsache wir schaffens nach Uruguay!

Lieben Gruß,
Flo

 
 
   

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